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IGS für weitere vier Jahre verlängert! FWF fördert das Programm

Dienstag, 08.12.2020

Das Internationale Graduiertenkolleg "Resonante Weltbeziehungen" der Universitäten Erfurt und Graz wird für weitere vier bzw. viereinhalb Jahre gefördert

 

Mit insgesamt rund 4,1 Millionen Euro unterstützen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der österreichische Fond zur Förderung wissenschaftlicher Forschung (FWF) in einer zweiten Förderperiode das Internationale Graduiertenkolleg „Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart“, das die Karl-Franzens-Universität Graz in Kooperation mit der der Universität Erfurt seit 2017 betreibt.

 

Nach einer erfolgreichen Evaluierung der ersten drei Jahre und dem Abschluss der ersten vier Dissertationen kann die Graduiertenschule weiter in die Ausbildung von Doktorand*innen investieren. Insgesamt 18 Doktorand*innenstellen sind an beiden Universitäten für den Zeitraum von 2021-2026 vorgesehen, zusätzlich finanzieren die Universitäten bis zu 11 weitere Stellen. In Graz werden 8 Stellen vom FWF sowie 3 von der Universität bis 2025 finanziert.

 

Die IGS zielt auf die Zusammenarbeit von altertums- und bibelwissenschaftlicher mit soziologischer Forschung. Ihr Gegenstand sind Beziehungen der/des Einzelnen zur sozialen, materialen, aber auch transzendenten Welt, die in unterschiedlichen sozialen und vor allem religiösen Praktiken etabliert und reflektiert werden. Im Zentrum steht dabei die Frage, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Folgen solche Selbst-Weltbeziehungen als resonant, d.h. als dialogisch-responsiv erfahren werden. Die spannungsreiche interdisziplinäre Zusammenarbeit über zwei sich fachlich und personell ergänzende Standorte hinweg erlaubt dabei ebenso den materialgesättigten Vergleich wie die Entwicklung neuer Methoden und damit eine qualitätsvolle Ausbildung von Doktorand*innen.

 

Zum Hintergrund: Rituelle Praktiken waren schon immer ein entscheidendes Element der Kulturforschung, denn sie liefern den Schlüssel zum Verständnis der Unterschiede in kulturellen Glaubenssystemen. So wurden die Unterschiede und Veränderungen innerhalb der Antike als die Unterschiede zwischen polytheistischen und monotheistischen Ritualen und Überzeugungen rekonstruiert. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass viele zentrale Elemente dieser Praktiken – sowohl in der Antike als auch in der Moderne – nicht durch Bezugnahme auf Glaubenssysteme erklärt werden können. Fragen stellen sich, sobald wir feststellen, dass es in der heutigen Gesellschaft ebenso viele Praktiken gibt, die in offensichtlichem Widerspruch zu den Glaubenssystemen der Akteure stehen. Die zentrale Annahme des Programms der IGS ist, dass diese Rituale viel ernster zu nehmen sind und als sozio-religiöse Praktiken analysiert und verstanden werden müssen, da sie höchst bedeutsame und besondere Beziehungen zwischen dem Selbst und der Welt herstellen. Die Forscher*innen untersuchen, inwiefern in all diesen rituellen Praktiken bestimmte Personen, Objekte oder Orte mit einer Macht ausgestattet sind, die diese Beziehungen sakralisiert und sie in Resonanz treten lässt.

 

In der ersten Förderphase haben die Wissenschaftler*innen zunächst eine Inventarisierung und Typenbildung unterschiedlichster sozio-religiöser Praktiken und der damit verbundenen Weltbeziehungsmuster erarbeitet. In einem weiteren Schritt stand die Analyse der Wechselwirkungen von resonanten und nicht resonanten (‚stummen‘) Weltbeziehungen im Mittelpunkt. In der nun folgenden zweiten Förderphase wollen sich die Forscherinnen und Forscher auf vier Themen konzentrieren: Wiederholung, wobei die zeitliche Abfolge und Veränderung von Ritualen und die Folgen von Wiederholungen betrachtet werden; Resonanz zweiter Ordnung, die sich durch Verweise auf oder die persönliche oder kulturelle Erinnerung an solche Erfahrungen auszeichnet; Macht, Agency und Resonanz, wobei die Frage des Handelns und Erleidens im Mittelpunkt steht; und die Rolle von Objekten bei der Herstellung dauerhafter Beziehungen.

 

Der Sprecher auf der Grazer Seite, Wolfgang Spickermann zeigt sich sehr erfreut über die Verlängerung: „Die Zusammenarbeit von Altertumswissenschaftler*innen, Religionswissenschaftler*innen, Theolog*innen, Soziolog*innen, Musikwissenschaftler*innen und Historiker*innen in einem nun schon sehr eingespielten Team ermöglicht einen sehr breiten interdisziplinären Zugang zu einem komplexen Thema, welches ein großes Spektrum an weiteren Dissertationsvorhaben ermöglicht. Die Kommunikation von Altertum und Moderne ist gerade deshalb fruchtbar, da es sich bei der mediterranen Antike um das für uns „nahe Fremde“ handelt, ein Kulturraum, der mit unserem zum großen Teil identisch ist, wobei die zu untersuchenden historischen Prozesse insgesamt als abgeschlossen betrachtet werden und damit in ihrer Entwicklung verfolgt werden können. Moderne soziologische Probleme wie die sakrale Aufladung von Raum, Zeit oder Gemeinschaften als Resultat von Resonanzpraktiken können genauso im Vergleich untersucht werden wie das große Spektrum ritueller Praktiken. Der Bogen reicht von der Ästhetik über Architektur und Kunst, Musik, Gestaltung von Räumen und Landschaften, Theater und Festinszenierungen bis zu einzelnen Objekten etwa in Form von Gaben an Götter und Menschen.“

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