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Lena Spickermann

„Das ‚Wesen der Frau‘ als Aushandlungsfläche wissenschaftlicher Erkenntnisgenese – Eine soziologiehistorische Untersuchung des wissenssoziologischen Werkes Viola Kleins“

Viola Klein – ein Name, der in (geschlechter)soziologischen Forschungsarbeiten und Archiven bislang nur selten zu finden ist. Dies muss, so meine These, als schwerwiegendes Versäumnis gelten, war sie es doch, die bereits im Jahre 1946, drei Jahre vor dem Erscheinen von Simone de Beauvoirs feministischen Klassiker „Le dèuxieme Sexe“, nachwies, dass hinter dem ideologischen Schleier der Natürlichkeit, der bestehende Weiblichkeitsvorstellungen umgibt, stets die sozio-historischen und subjektiv-standortgebundenen Prägungen ihres zeitlichen Kontexts und ihrer jeweiligen Träger*innen liegen. Zu diesem Schluss gelangte sie in ihrer 1944 abgeschlossenen und 1946 publizierten Promotionsstudie „The Feminine Character. History of an Ideology“, die sie unter der Betreuung von Karl Mannheim im englischen Exil verfasste. In dieser analysierte sie, entlang des wissenssoziologischen Programms Mannheims acht prominente Weiblichkeitstheorien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts – einer Phase des disruptiven gesellschaftlichen Wandels –, indem sie deren voluntativen, biografischen, sozio-kulturellen und denkstilgebundenen Prägungen in ein konstitutives Verhältnis zu ihren Inhalten setzte. Dadurch führte Viola Klein das positivistische Diktum einer subjektbefreiten Erkenntnisgenese ad absurdum und erhellte die Machteffekte, die durch die unhinterfragte Manifestation des wissenschaftlichen Wissens über die Frau entstanden. In meiner Dissertation möchte ich die frühen geschlechtertheoretischen Arbeiten Kleins soziologiehistorisch untersuchen. Ich frage danach, welche Problem-Lösungskonstellationen Viola Klein in die Soziologie einführte, wodurch sich ihre methodologisch-methodische Vorgehensweise auszeichnet und inwiefern diese auch die zeitgenössischen Forschungslandschaften der Soziologie und der Geschlechterforschung befruchten und informieren können. Des Weiteren interessiere ich mich in einem reflexiven Schritt dafür, inwiefern Viola Kleins Erkenntnisposition Einfluss auf ihren eigenen Denkstil, die Wahl ihrer Forschungsgegenstände und ihre analytische Auseinandersetzung mit diesen ausübte: als zweifach exilierte, jüdische Soziologin aus Österreich, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts im England der Nachkriegszeit forschte, war sie wiederholt Ausschlüssen und Marginalisierungen unterworfen, die für ihr wissenschaftliches Wirken – so meine Annahme – prägend waren. Zuletzt ist zu untersuchen, wie es zu der bis heute anhaltenden Vernachlässigung ihres Werks aus der Geschichtsschreibung der Soziologie und Geschlechterforschung kommen konnte.

 

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