Doktoratsausbildung – Resonante Weltbeziehungen erforschen
Die Doktorand:innen haben je eine:n Betreuer:in aus den Partneruniversitäten. Jede:r Doktorand:in bildet ein Tandem mit einer Kollegin oder einem Kollegen aus der jeweils anderen Institution, möglichst aus einer komplementären Disziplin. Im Austausch mit der Tandempartnerin bzw. dem Tandempartner gewinnen die Teilnehmenden Einblicke in andere Themenfelder und entwickeln neue interdisziplinär geprägte Ideen.
Für die Arbeit an einem Dissertationsprojekt stehen Mittel für Datenerhebungen, Archiv‑, Feld‑ oder Bibliotheksarbeit, die Teilnahme an Konferenzen oder Workshops sowie für Einladungen an Gastwissenschaftler:innen zur Verfügung.
Theoretisches Konzept
Das Internationale Doktoratskolleg der Universitäten Erfurt und Graz widmet sich der Erforschung resonanter Weltbeziehungen im Zusammenspiel von altertums‑, bibelwissenschaftlicher und soziologischer Forschung. Im Zentrum steht die Frage, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Folgen Welt‑Beziehungen als resonant, also dialogisch‑responsiv, erfahren werden. Die enge Kooperation über zwei komplementäre Standorte hinweg ermöglicht den materialgesättigten Vergleich, die Entwicklung neuer Methoden und eine qualitativ hochwertige Doktorandenausbildung.
Resonante Weltbeziehungen in rituellen Praktiken
Rituelle Praktiken – in der Antike meist in religiösen Kontexten verankert – rücken zunehmend ins Zentrum der Forschung. Das Kolleg untersucht, wie resonante Weltbeziehungen in solchen Ritualen entstehen, reflektiert oder gestört werden. Durch die Verbindung von soziologischen und historischen Perspektiven treten sowohl kognitive als auch expressive Dimensionen dieser Praktiken in den Blick.
Untersucht werden rituelle Handlungen als sozio‑religiöse Praktiken, die bedeutsame Beziehungen der Menschen zur Welt – zu anderen Menschen, zu Dingen, zur Natur, zum Selbst, zum Himmel oder zu Gott bzw. Göttern – hervorbringen und strukturieren. Die Beschaffenheit dieser resonanten Weltbeziehungen erlaubt Einblicke in kulturelle Deutungsmuster, soziale Hierarchien und Geschlechterrollen.
Forschungsschritte und Ziele
In einem ersten Schritt entsteht eine Inventarisierung und Typenbildung unterschiedlichster sozio‑religiöser Praktiken und ihrer Weltbeziehungsmuster. Anschließend liegt der Fokus auf der Analyse von Wechselwirkungen zwischen resonanten und nicht‑resonanten („stummen“) Weltbeziehungen.
Das Format eines Internationalen Doktoratskollegs ermöglicht es, diese Forschung zur Theorie resonanter Weltbeziehungen breit und materialgesättigt anzulegen. Im Bereich der Altertumswissenschaften entstehen dadurch neue Kontextualisierungsräume für Praktiken, die Beziehungen zu Objekten, Körpern, Geschichten, Räumen und dem Transzendenten schaffen.