Kurzzusammenfassung des Forschungsprogramms der ersten und zweiten Phase
Die Internationale Graduiertenschule (IGS) der Universitäten Erfurt und Graz untersucht die Beziehungen von Menschen zur sozialen, materiellen und transzendenten Welt, insbesondere durch rituelle und sozio-religiöse Praktiken. Ziel war und ist es, diese Praktiken interdisziplinär zu vergleichen, Resonanzmuster zu analysieren und neue methodische Ansätze zu entwickeln, um tiefere Einsichten in Kultur, Gesellschaft und Geschlechterpositionen zu gewinnen. Die Forschung erfolgt in zwei Phasen:
In der ersten Phase des Doktoratskollegs wurde arbeitsteilig eine Inventarisierung und Typenbildung unterschiedlichster sozio-religiöser Praktiken und der damit verbundenen Weltbeziehungsmuster erarbeitet. Darauf aufbauend stand in der zweiten Phase die Analyse der Wechselwirkungen von resonanten und nicht resonanten („stummen“) Weltbeziehungen im Fokus. Dabei konzentrierte sich die Forschung auf vier Themen: Erstens Wiederholung – mit einem differenzierten Blick auf zeitliche Abläufe, Veränderungen von Ritualen und die Folgen von Wiederholungen. Zweitens „Resonanz zweiter Ordnung“ und „dispositionale Resonanz“, sprich Bezüge zu oder Erinnerungen an solche Erfahrungen. Drittens Macht, Handlungsspielräume und Resonanz sowie viertens die Rolle von Objekten bei der Entstehung dauerhafter Beziehungen.
Die historische und empirische Analyse erfordert eine beschreibende und interpretierende Sprache, die feine Unterschiede in Praxis, Erfahrung und Habitualisierung erfasst. Grundlage dafür sind qualitative Forschung, kritische Quellenanalyse sowie Ansätze aus der materiellen Kultur, Genderforschung und Exegese.