Teresa Mocharitsch
Mit Tacitus zum „Vaterland“ Germanische Frühgeschichte und visuelle Kultur von 1648 bis 1815
Die Vorstellung von historischen Epochen wird maßgeblich von Bildern geprägt, die in den letzten Jahrhunderten entstanden sind und bis heute reproduziert werden. Im Bereich der germanischen Frühgeschichte basieren sie in vielerlei Hinsicht auf Beschreibungen des römischen Autors Tacitus. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Dissertation untersucht, wie die Rezeption seiner Schriften entsprechende Darstellungen geprägt und transformiert hat. Als Betrachtungszeitraum wurde die Phase zwischen Westfälischem Frieden und Wiener Kongress gewählt, da sich in dieser die germanische Geschichte in den Vereinigten Niederlanden und dem Heiligen Römischen Reich als Teil des historischen Diskurses etablierte. Dabei handelt es sich um eine Entwicklung, die wesentlich mit einem neuen Stellenwert der Nation verbunden ist, welche als Identifikationselement zunehmend an Bedeutung gewann. Dieser Wandel wird an der visuellen Kultur sichtbar, die die vorherrschenden Geschichtsbilder nicht nur bezeugt, sondern auch selbst beeinflusst hat. Neben Darstellungen germanischen Lebens wurden römisch-germanische Konflikte wie der Bataveraufstand und die Varusschlacht rezipiert und mit zeitgenössischen politischen Ereignissen verknüpft. Im Hauptteil der Arbeit werden anhand der Schriften „Germania“, „Historien“ und „Annalen“ Zeugnisse aus Buchillustrationen, Zeichnungen, (repräsentativen) Gemälden und Skulpturen analysiert und auf ihren Bezug zur antiken Quelle befragt. Es wird dargelegt, welche Beschreibungen reproduziert, welche ignoriert und welche neu kombiniert wurden. Diese Auswahlprozesse führten im Untersuchungszeitraum zu einer Kanonisierung der Motive, die eine Vereinheitlichung der Ikonographie zur Folge hatte. Die Vielfalt der rezipierten Themen zeigt deutlich, wie Tacitus das Bild der – in den Niederlanden und im deutschsprachigen Raum gleichermaßen – als „vaterländisch“ verstandenen germanischen Geschichte beeinflusste.
Curriculum Vitae
Laufend:
Projektassistentin im Forschungsschwerpunkt Antike als Topos. Phänomene des Wandels im 18. Jahrhundert des Doktoratsprogramms "Sammeln, Ordnen und Vermitteln. Wissenskulturen im 18. Jahrhundert"
Assoziiertes Mitglied der IGS Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart
Doktoratsstudium Antike und Moderne im europäischen Kontext, Studienfach Alte Geschichte und Altertumskunde
Abgeschlossene Studien:
2013 – 2016 Masterstudium Alte Geschichte
2011 – 2015 Masterstudium Kunstgeschichte
2009 – 2013 Bachelorstudium Alte Geschichte und Altertumskunde
2008 – 2011 Bachelorstudium Kunstgeschichte
Studienbegleitende Tätigkeiten:
2012 – 2015 Studentische Mitarbeiterin im Lehrbetrieb am Institut für Kunstgeschichte
2011 – 2013 Mitglied der Curricula-Kommission Alte Geschichte und Altertumskunde
2011 – 2013 Studierendenvertretung Alte Geschichte und Altertumskunde