Sally Baumann
quantae miracula pompae vidimus – Zu Form und Funktion der ekphrastischen Ausmalungen in den politisch-zeitgeschichtlichen Dichtungen Claudians
Die Arbeit beschäftigt sich mit den besonders anschaulichen, beschreibenden Passagen innerhalb der politisch-zeitgeschichtlichen Gedichte Claudians. Das Konzept der antiken rhetorischen Ekphrasis mit ihrem Kernbestandteil Enargeia, das sich von modernen Auffassungen des Begriffes Ekphrasis maßgeblich unterscheidet, dient als Ausgangspunkt für die Auswahl der Textstellen. Als konkrete Kriterien werden Länge, Stimulusdichte und Textgestalt herangezogen; der Gegenstandsbereich der Beschreibungen stellt hingegen kein Auswahlkriterium dar. Für die so gewählten Passagen wird der Arbeitsbegriff „ekphrastische Ausmalungen“ (EA) etabliert. Einerseits steht die Form der EA im Fokus. Es wird also nach den Mechanismen gefragt, die zur Anschaulichkeit der Passagen, ihrer mentalen Visualisierung von Seiten der Rezipientinnen und Rezipienten, beitragen. Andererseits interessieren die Funktionen der EA im Werkganzen. Form und Funktion der EA werden für sieben ausgewählte Gedichte zunächst mittels closereading und unter Berücksichtigung geeigneter theoretischer Ansätze detailliert und textnah, in aufeinanderfolgenden Unterkapiteln untersucht. Die zentralen Ergebnisse der detaillierten Einzeluntersuchungen werden anschließend geordnet, systematisiert und abstrahiert in einem übergreifenden Kapitel dargestellt. Dabei wird gezeigt, dass die EA über regelmäßig wiederkehrende, die Anschaulichkeit der Passagen fördernde Gestaltungsmittel verfügen, deren Ausgestaltung und Kombination stets variieren und mitunter gesteigert werden. Die EA werden vielseitig und differenziert eingesetzt und übernehmen weit mehr als nur dekorative Funktionen. Regelmäßig stechen außerdem bestimmte EA aufgrund ihrer formalen Gestalt und/oder Funktionalisierung heraus.