Gabriel Malli
Zwischen Glaubenspraxis, Konsumkultur und Feminismus. Zur diskursiven Konstruktion und affektiven Animation muslimisch-weiblicher Subjektpositionen in deutschsprachigen YouTube-Produktionen
Die Arbeit befasst sich mit der Konstruktion muslimisch-weiblicher Subjektpositionen sowie damit verknüpften Praktiken und Affekten in deutschsprachigen YouTube-Videos. Dafür analysiere ich Produktionen, die aus muslimischer Perspektive Normen vermitteln und Vorschläge unterbreiten, wie ein moralisches und ästhetisches Leben als muslimische Frau im Kontext säkularer Gesellschaften gelebt werden soll. YouTube begreife ich als Dispositiv, das eine Infrastruktur für Diskurse bietet und affektive Verbindungen zwischen Nutzer*innen stiften kann.
Mithilfe diskursanalytischer Ansätze rekonstruiere ich drei Subjektpositionen: Die erste, in Videos konservativer Prediger greifbare und als "moralisch-exklusiv" bezeichnete Position fordert eine Selbst-Ausrichtung auf religiöse Moralcodes und die Abgrenzung zu säkularen Weiblichkeitsentwürfen. Das zweite, in Videos religiöser Influencerinnen hervorgebrachte Subjektmodell entwirft das Bild eines hybriden muslimischen Selbst, das Glaubenspraxis mit einer Offenheit für westlich markierte Konsumkultur vereint. Die dritte, in Comedy- und Talk-Formaten präsente "reflexiv/empowerte" Position impliziert das Modell einer "selbst-bestimmten" muslimischen Frau, die sich auf feministische Konzepte bezieht und von stereotypisierenden Zuschreibungen sowie von Druck in muslimischen "Communities" abgrenzt.
Alle Produktionen greifen typische Spannungen im Leben (west-)europäischer Musliminnen auf, die aus der politischen Problematisierung des Islam, Diskriminierung oder kulturellen Ambiguitätserfahrungen resultieren. Die Proponent*innen der beschriebenen Subjektpositionen formulieren widersprüchliche Lösungsansätze, die von Separation von der Mehrheits-gesellschaft bis hin zu kritischer Partizipation reichen, und versuchen durch Affizierungsstrategien Sensibilitäten des Publikums zu aktivieren. Dabei treten Konflikte zutage, wobei eine Hegemonie "moralisch-exklusiver" Positionen auf YouTube durch "reflexiv/empowerte" Akteur*innen angefochten wird.
Ausbildung
09/2018-02/2023
- Doktoratsstudium Soziologie an der Universität Graz (Abschluss mit Auszeichnung; Forschungsaufenthalte an der Universität Erfurt, 10/2019-09/2020, und der Freien Universität Berlin, 11/2021-07/2022)
10/2016-10/2019
- International Joint Master Program in Kultursoziologie an der Universität Graz (Abschluss mit Auszeichnung; Mobilitätssemester an der Universität Trento, 09/2017-02/2018)
10/2015-06/2018
- Master of Arts in Soziologie an der Universität Graz (Abschluss mit Auszeichnung)
10/2012-02/2017
- Bachelor of Arts in Volkswirtschaftslehre an der Universität Graz
10/2012-09/2015
- Bachelor of Arts in Soziologie an der Karl-Franzens-Universität Graz (Abschluss mit Auszeichnung)
Berufserfahrung
10/2024-
- Hochschullektor (FH) mit Schwerpunkt F&E, Institut für Journalismus und Digitale Medien, FH JOANNEUM – University of Applied Sciences
11/2022-09/2024
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Web Literacy Lab, Institut für Journalismus und Digitale Medien, FH JOANNEUM – University of Applied Sciences
10/2022-03/2026
- Lektor am Institut für Soziologie, Universität Graz (Kurs Empirische Sozialforschung, Kurs Qualitative Sozialforschung)
10/2018-08/2022
- Wissenschaftlicher Projektmitarbeiter in der Internationalen Graduiertenschule Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart, Universität Graz
03/2016-07/2018
- Studentischer Mitarbeiter am Institut für Soziologie, Universität Graz
03/2016-06/2016
- Tutor für Qualitative Sozialforschung und Grundlagen der Soziologie am Institut für Soziologie an der Universität Graz