Lukas Jung
Zwischen Wettkampf und Kaiserkult. Die Agone von Side und den Städten Pamphyliens im Spannungsfeld imperialer Ideologie und lokaler Identität
Die Dissertation untersucht die kaiserzeitliche Agonistik in Pamphylien (Kleinasien) und zeigt, wie eng agonale Festkultur, Kaiserkult und die Selbstrepräsentation der städtischen Eliten miteinander verflochten waren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie diese Wechselbeziehungen im urbanen Raum sichtbar wurden und in welchem Maße Architektur und Skulptur zur Vermittlung städtischer und imperialer Botschaften wirkten. Die Analyse der zentralen Unterhaltungsbauten der Region, insbesondere von Theatern, Stadien und Thermen-Gymnasien, verdeutlicht, dass diese Anlagen nicht nur den praktischen Rahmen für Feste und kultische Handlungen boten, sondern zugleich Orte waren, an denen sich gesellschaftliche Hierarchien, kulturelle Werte und politische Loyalitäten manifestierten. Ehrenmonumente wie Nymphaea, Prunktore und Ehrenbögen traten ergänzend als prägnante Indikatoren der sozio-politischen Verschränkung zwischen Imperium und Polis hervor. Die statuarische Ausstattung der genannten Bauten macht darüber hinaus deutlich, wie diese Bildprogramme die Beziehungen zwischen Agonistik, Kaiserkult und städtischer Elitekultur sichtbar strukturierten und klassische Vorbilder mit zeitgenössischen Ausdrucksformen verbanden, indem sie Athleten, Götter, Kaiser und lokale Honoratioren in ein gemeinsames symbolisches Gefüge einordneten, das die städtische Identität ebenso prägte wie die Wahrnehmung römischer Herrschaft. Eine besondere Rolle nimmt dabei der sog. »Kaisersaal« der kleinasiatischen Thermen-Gymnasien ein, dessen architektonische Gestaltung und reiche skulpturale Ausstattung eine dichte Überlagerung agonaler, kultischer und politischer Bedeutungen erkennen lässt. Für seine Analyse wurden ergänzend sozialtheoretische Ansätze herangezogen, insbesondere Henri Lefebvres Konzept der Raumproduktion und Hartmut Rosas Resonanztheorie, die es ermöglichen, die räumlichen und atmosphärischen Qualitäten dieses Saales als Erfahrungsraum imperialer und städtischer Identitätsbildung präziser zu erfassen. Die Untersuchung zeigt, dass die kulturellen Strömungen der Zweiten Sophistik, die Ausweitung der städtischen Festkultur und der interurbane Wettbewerb gleichermaßen dazu beitrugen, dass Agonistik und Kaiserkult zu tragenden Säulen der städtischen Selbstdarstellung wurden. Insgesamt zeigt sich, dass die Städte Pamphyliens in der Kaiserzeit ihre Monumentalarchitektur und Bildprogramme gezielt einsetzten, um griechische Traditionen mit römischer Herrschaft zu verbinden und so eine aktualisierte städtische Identität zu formen, die gleichermaßen auf kultureller Kontinuität und politischer Loyalität beruhte.
Curriculum Vitae
2022–26 Doktorand am Internationalen Graduiertenkolleg »Resonante Weltbeziehungen in sozioreligiösen Praktiken in Antike und Gegenwart« (FWF W1265-G25) an der Universität Graz und am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt.
2017–22 Masterstudium der klassischen und provinzialrömischen Archäologie am Institut für Antike der Universität Graz. Masterarbeit mit dem Titel »Der Personifikationenfries des sogenannten „Parthermonuments“ von Ephesos. Personifizierte Völkerschaften im Kontext der hellenistischen Oikumene« (Betreuung Priv.-Doz. Dr. phil. Alice Landskron).
2013–17 Bachelorstudium der der klassischen und provinzialrömischen Archäologie am ehemaligen Institut für Archäologie der Universität Graz. Bachelorarbeit mit dem Titel »Spolienverwendung und Umarbeitungen an römischen Bogenmonumenten am Beispiel des Trajansbogens von Benevent und des Konstantinsbogens in Rom. Politikum und Zeitprobleme« (Betreuung Ao. Univ.-Prof. Dr. phil. Manfred Lehner).
Wissenschaftliche Mitarbeit
2020–22: studentische Mitarbeit im Projekt zur Erforschung der Idealplastik von Side (FWF P 32539 »New Aspects of Roman Ideal Sculpture in Side«) unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. phil. Alice Landskron, Institut für Antike der Universität Graz, in Kooperation mit den Ausgrabungen von Side unter der Leitung von Prof. Dr. Feriştah Alanyalı, Universität Eskişehir (Türkei).
Sommerkampagne 2018: studentische Mitarbeit bei den Ausgrabungen an der Landmauer und am Osttor von Side unter der Leitung von Dr. phil. Ute Lohner-Urban, Institut für Antike der Universität Graz, in Kooperation mit den Ausgrabungen von Side unter der Leitung von Prof. Dr. Feriştah Alanyalı, Universität Eskişehir.