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Anita Neudorfer

Zur Heilkraft von Gesang. Rezente Gesangs-bewegungen aus resonanztheoretischer Perspektive

Das Schnittfeld von Gesang, Heilung und Therapie erfährt in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Die Beziehung von Stimme und Heilung wird nicht nur im Bereich moderner Spiritualität, Freizeit- und Bildungssektor oder als kirchliches Angebot thematisiert, sondern erfährt auch zunehmend Eingang in medizinisch-therapeutische Kontexte.

Zu beobachten ist hier ein (neues?) Verständnis und eine Verschränkung von Körper, Religion und Gesundheit sowie (religiöser) Selbstorganisation und Vergemeinschaftung. Eine zentrale Frage, die sich bei der Betrachtung dieser Vergemeinschaftungsprozesse stellt, ist, inwiefern Stimme, Heilung und Gemeinschaft neue religiöse „Wirklichkeiten“ erzeugen. Wie wirkt diese „Wirklichkeit“ zurück auf Wahrnehmung und Handlungspraxis der Subjekte? Welche Rolle wird dem Gesang zugeschrieben? Welche Rolle spielen die oft konstatierte Beschleunigung und Ästhetisierung bzw. Singularisierung der Spätmoderne für die Popularisierung rezenter Gesangsbewegungen?

Im methodologischen Rahmen der Grounded Theory (Charmaz, 2006) sowie wissenssoziologischer Diskursanalyse (Keller et al, 2001) werden mittels multiperspektivischer Interviews und teilnehmender Beobachtung empirische Daten erhoben. Es wird eine Diskursanalyse erstellt, deren Horizonte vor dem Hintergrund des Resonanzkonzeptes in der leibphänomenologischen Religionssoziologie, kulturwissenschaftlichen Religionswissenschaft und den Sozialwissenschaften liegen.
Unter Einbezug der Resonanztheorie (Rosa, 2016) als heuristischem Leitmotiv zielt das Promotionsprojekt darauf, die spätmoderne Koexistenz von religiösen und säkularen Diskursen am Beispiel von Gesangsbewegungen (neu) in den Blick zu nehmen und diese qualitativ-empirisch sowie theoretisch gehaltvoll zu verorten.
Damit möchte diese Studie einen Beitrag zu einer differenzierten Erforschung religiöser Gegenwartskultur sowie spätmoderner Subjektivierungsweisen leisten (Bröckling, 2007).

 

Literatur:

Bröckling, Ulrich (2007): Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Charmaz (2006): Constructing grounded theory. A practical guide through qualitative analysis. London: Sage.

Keller, R./Hirseland, A./Schneider, W./Viehöver, W. (Hrsg.) (2001): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse Band 1: Theorien und Methoden. Opladen: Leske + Budrich.

Rosa, Hartmut (2016): Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Berlin: Suhrkamp.

Akademischer Werdegang

2017-lfd.
Doktoratsstudium Soziologie im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs: „Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart" Max-Weber-Kolleg Universität Erfurt und Universität Graz

2014-16
Masterstudiengang Musiktherapie an der IMC Fachhochschule Krems (Eintragung in die MusiktherapeutInnenliste gemäß MuthG §7 (BMG) 2016)

2011-14
Bachelorstudiengang Musiktherapie an der IMC Fachhochschule Krems (Eintragung in die MusiktherapeutInnenliste gemäß MuthG §8 (BMG) 2014

2009-13
Bachelorstudium Sprachen und Kulturen Südasiens und Tibets an der Universität Wien

2006-12
Individuelles Diplomstudium Religionswissenschaft an der Universität Wien

 

Forschungsinteressen:

Religionssoziologische Zugänge zu einem Kernbereich religiöser Gegenwartskultur: Kultisches Milieu, unsichtbare & populäre Religionen und das holistische Feld

Zeitdiagnostiken und Sakralisierungsprozesse: Zeit und Digitalisierung im 20./21. Jhd., Identitätsdiskurse, Therapiekulturen, Religionsästhetik, posttraditionale Vergemeinschaftungen, Singularitätsprozesse, Sakralisierung von Leib und Beziehung (Ich, Du, Wir)                                  

Weimarer Republik als Genese moderner Spiritualität und Körperpsychotherapie: Gemeinschaftsdiskurse, Lebensreform, Körperkulturen

Psychotraumatologie- und Bindungsforschung, Psychotherapie, Palliative Care/Spiritual Care

 

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